Stecken wir bereits in der Rezession oder steht sie kurz bevor? Meine Prognose, FedEx, Atlanta FED und die Konsumlaune.
Die Geschäftslage von FedEx ist eng mit der gesamtwirtschaftlichen Aktivität verknüpft, da das Unternehmen eine zentrale Rolle im Warenverkehr spielt. Der Ausblick lässt aufhorchen.
Geschäftsmodell
FedEx wurde vor mehr als einem halben Jahrhundert gegründet und hat sich zu einem der größten Logistikunternehmen weltweit entwickelt. Das Hauptgeschäft umfasst Kurier- und Logistikdienstleistungen.
FedEx bietet diverse Versandoptionen, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kunden hinsichtlich Geschwindigkeit und Kosten abgestimmt sind. Dazu gehören schnelle Express-Lieferungen, kostengünstigere Bodentransporte und internationale Versandoptionen in über 220 Länder.
Zusätzlich bietet das Unternehmen Logistiklösungen wie Lagerung, Zollabwicklung und Supply-Chain-Management. Kunden profitieren von einem umfassenden Kundensupport, der Online-Tracking, telefonischen Support und Live-Chat umfasst.
FedEx ist in nahezu allen Ländern der Welt tätig, beschäftigt über eine halbe Million Mitarbeiter und betreibt eine riesige Flotte von mehr als 500 Flugzeugen und 90.000 LKWs und Lieferwagen, um Sendungen global zuzustellen.
Quartalszahlen lösen Kurssturz aus – aber nur kurz
FedEx hat vor wenigen Tagen die Ergebnisse für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025 veröffentlicht.
Auf Jahressicht konnte man den Umsatz um 2 % auf 22,2 Mrd. USD und den Gewinn um 17 % auf 4,51 USD je Aktie steigern. Die Entwicklung kann sich sehen lassen, der Gewinn lag jedoch unter den Erwartungen von 4,65 USD.
An der Börse zeigte man sich zunächst enttäuscht, die Aktie eröffnete über 10 % im Minus, drehte im Handelsverlauf jedoch nach oben. Einen Tag später waren die gesamten Kursverluste wieder aufgeholt.
Es ist ein weiteres Beispiel dafür, welcher Unsinn an der Börse im kurzfristigen Zeitfenster stattfindet.
Vermutlich ist das Kursgeschehen darauf zurückzuführen, dass wie gewohnt nur Schlagzeilen gelesen werden. Denn FedEx hat die Gewinnerwartungen für 2025 von 19,00 – 20,00 auf 18,00 – 18,60 USD gesenkt.
Das war die erste Schlagzeile.

Erst später dürfte vielen Anlegern klar geworden sein, dass das operative Ergebnis weiterhin bei 19,00 – 20,00 USD liegen wird und das gemeldete Ergebnis vor allem dadurch sinkt, dass im Zuge von FedEx Freight Kosten anfallen.
Im Endeffekt waren sowohl die Zahlen als auch der Ausblick von FedEx kaum die Rede wert und daher notiert die Aktie nach all dem Tohuwabohu auch wieder auf demselben Niveau wie zuvor.
Jetzt wird es haarig
Sehr viel bedeutender waren aus meiner Sicht die Aussagen zum Zustand der US-Wirtschaft.
Die Geschäftslage von FedEx ist eng mit der gesamtwirtschaftlichen Aktivität verknüpft, da das Unternehmen eine zentrale Rolle im Warenverkehr spielt. Wenn Unternehmen mehr Güter produzieren und versenden, steigt die Nachfrage nach Transportdienstleistungen. Umgekehrt signalisiert ein Rückgang der Sendungen oft eine Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik.
In der Telefonkonferenz sprach der Vorstand von einem Umfeld, welches von hoher Unsicherheit und inflationärem Druck geprägt sei („more uncertain demand environment and higher-than-expected inflationary pressures on the cost base“).
Darüber hinaus entwickle sich die US-Industrie schwach, was sich negativ auf die Frachtvolumina im B2B-Segment auswirke („headwinds from a weak industrial economy have been impacting B2B and freight volumes“).
Darüber hinaus sei es vernünftig anzunehmen, dass sich das makroökonomische Umfeld vorerst nicht aufhellen wird, zumindest im ersten Halbjahr 2025 („It is reasonable to assume that the macro environment is not going to significantly improve at least for H1 of FY25“).
Hat die Rezession bereits begonnen?
Die US-Wirtschaft, vor allem die Industrie, hat sich also abgekühlt und vorerst wird auch keine Besserung erwartet.
Ich hatte die negativen Auswirkungen der fehlenden Planbarkeit und der hohen Unsicherheit bereits mehrfach thematisiert und ich denke, dass die Auswirkungen davon nach wie vor dramatisch unterschätzt werden.
Welches Unternehmen stößt denn im aktuellen Umfeld in den USA größere Investitionen an, wenn es nicht unbedingt notwendig ist oder man sich durch politischen Druck genötigt fühlt?
Wer setzt freiwillig seine Karriere aufs Spiel und beschließt jetzt größere Investitionen, wenn die Rahmenbedingungen in 6 oder 12 Monaten – oder auch schon in zwei Wochen – vollkommen anders sein können?
Darüber hinaus steigen die Preise für Waren, die mit Zöllen belegt werden, was die Konsumlaune der US-Amerikaner dämpft.
Das US-Verbrauchervertrauen (Conference Board Consumer Confidence Index) ist im März den vierten Monat in Folge gefallen, von 100,1 auf 92,9.
Der Erwartungsindex für die zukünftige Lage ist regelrecht kollabiert und hat mit 65,2 den niedrigsten Wert seit 12 Jahren erreicht. Damit liegt der Wert weit unter der Schwelle von 80, die üblicherweise auf eine bevorstehende Rezession hinweist.
Geht es nach der Atlanta FED könnte diese Rezession bereits begonnen haben. Die Schätzungen der Notenbank zufolge ist die US-Wirtschaft im ersten Quartal um 1,8 % geschrumpft.
Selbst wenn man die Wirtschaftsdaten im ersten Quartal um die Importe und Exporte von Gold, die wegen der Zölle vorgezogen wurden, bereinigt, lag das Wirtschaftswachstum nur noch bei 0,2.
Meine Prognose
Wir werden sehen, was im zweiten Quartal geschehen wird, wenn noch höhere Zölle auf noch mehr Waren anfallen.
Meine Prognose:
Ändert sich politisch nichts, wird sich auch die wirtschaftliche Lage nicht verbessern. Die fehlende Planbarkeit wirkt sich negativ auf die wirtschaftliche Aktivität und Investitionen aus und die steigenden Preise führen zu einer anhaltend schwachen Konsumlaune. Wie sollte es auch anders sein?
Es ist daher wahrscheinlich, dass sich die US-Wirtschaft im zweiten Quartal noch schlechter entwickeln wird als im ersten. Konkret bedeutet das weniger als 0,2 % Wirtschaftswachstum, im Zweifelsfall also eine Kontraktion.
Einen derartigen Einbruch der US-Wirtschaft ohne externen Schock habe ich in meiner Zeit an der Börse noch nicht erlebt.
Die Geschwindigkeit, in der das geschehen ist, ist ebenfalls einmalig. Bis Ende Februar lagen die Schätzungen für das US-Wirtschaftswachstum noch bei 2,3 %. Nachdem der US-Präsident am 8. März die ersten Dekrete für Zölle unterschrieben hatte, kam es zu Gold-Panikkäufen und quasi über Nacht zu einem Einbruch der Schätzungen auf negatives Territorium.
Davor waren die meisten wohl davon ausgegangen, dass es sich nur um Drohungen handelt, um Zugeständnisse zu erzwingen. Inzwischen wissen wir, dass das nicht der Fall ist.
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