Henkel Aktie Prognose Henkel Vz.: Man soll ja nicht in fallende Messer greifen, eigentlich …

News: Aktuelle Analyse der Henkel Aktie

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Henkel
ISIN: DE0006048432
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Ticker: HEN3 --- %

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Zur Henkel Aktie

Ein Minus von gut zehn Prozent, das ist bei einer Aktie wie Henkel eine Seltenheit. Dass es zustande kam, nachdem das Unternehmen 2024er-Ergebnis nebst 2025er-Ausblick vorgelegt hatte, macht klar: Letzterer konnte nicht gefallen. Aber man sollte die Aktie im Auge behalten.

2024 war gut gelaufen, die selbst gesteckten Ziele hat das Unternehmen erreicht. Der Umsatz konnte organisch um 2,6 Prozent zulegen, weniger als die 4,2 Prozent im Jahr 2023, aber immerhin im Rahmen dessen, was zu erwarten war. Die Restrukturierung im Bereich Consumer Brands zeitigte Erfolge: Die EBIT-Marge des Gesamtunternehmens stieg 2024 von 11,9 auf 14,3 Prozent, der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte dadurch zum Umsatz überproportional um 20,9 Prozent zu. Das war nichts, das die Anleger hätte irritieren können.

Beim Ausblick sah das schon anders aus. Hier avisierte Henkel ein organisches Umsatzwachstum zwischen 1,5 und 3,5 Prozent, eine EBIT-Marge zwischen 14,0 und 15,5 Prozent und einen Anstieg des Gewinns pro Aktie im einstelligen Prozentbereich. Das hat offenbar einige bewogen, die Aktie wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen … mit entsprechenden Folgen für das Chartbild:

Henkel Vorzugsaktie: Chart vom 11.03.2025, Kurs 77,74 Euro, Kürzel: HEN3 | Online Broker LYNX
Henkel Vorzugsaktie: Chart vom 11.03.2025, Kurs 77,74 Euro, Kürzel: HEN3 | Quelle: TWS

Die Aktie, die wenige Tage zuvor eine seit Mai 2024 bremsende Widerstandszone überwunden hatte, fiel nicht nur durch diese hindurch, sondern auch durch die Supportzone nebst 200-Tage-Linie bei 81,56/82,12 Euro, wodurch auch diese schlagartig von einer Unterstützung zum Widerstand wurde. Das nächste charttechnische Kursziel wäre jetzt die Auffangzone im Bereich 76,10/76,34 Euro. Indes könnte man sich fragen …

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Henkel Aktie finden Sie hier.

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Expertenmeinung: … warum dieser Abverkauf dermaßen drastisch ausfiel. Denn so wirklich dramatisch unter den bisherigen Prognosen kam Henkels 2025er-Prognose nicht daher. Und wenn man sich die daraufhin neu vergebenen Kursziele der Analysten ansieht, ist da zwar von 78 Euro mit der Einstufung „Verkaufen“ bis 105 Euro mit dem Rating „Kaufen“ für jeden etwas dabei. Aber diese 78 Euro von Goldman Sachs sind zugleich auch das niedrigste Kursziel von allen. Und diesen Kurslevel hat die Vorzugsaktie am Dienstag zudem bereits erreicht.

Hinzu kommt, dass die Henkel-Aktie nicht gerade überbewertet wäre. Derzeit könnte man das 2025er-Kurs/Gewinn-Verhältnis um die 16 einordnen, das ist keineswegs teuer. Nun hat der Vorstand zwar im Rahmen der Bilanz von einem langsamen Jahresstart auf Basis wirtschaftlicher Unsicherheit und schwacher Konsumneigung geschrieben. Und natürlich würde Henkel eher nicht von einem Infrastrukturpaket der kommenden Bundesregierung profitieren. Nur hatte das alles die Trader ja bis zum Tag vor der Bilanz auch nicht gestört. Und dieser genannte langsame Start ins Jahr soll, wenn Henkel recht behält, in der zweiten Jahreshälfte von mehr Dynamik abgelöst werden. Alles irgendwie kein Argument für ein Minus von über zehn Prozent.

Und wenn man sich den Chart ansieht, könnte die Dimension dieses Abverkaufs durchaus „aus Versehen“ so groß ausgefallen sein. Abgaben als Reaktion auf den etwas mageren Ausblick könnten auf zu wenig Kaufneigung getroffen sein, die Aktie hätte allemal trotzdem mit einer nur moderaten Abwärts-Kurslücke aufmachen können. Aber wenn die vorbörslichen Taxierungen schwach ausfielen und potenzielle Käufer ihre Orders zurückzogen, kann das gereicht haben, um vorbörsliche Kurse unter dieser kurz zuvor unterbotenen Chartzone im Bereich 84,60/85,74 zu zeigen. Das hat Stop-Loss-Verkäufe von denen ausgelöst, die ihre Stopps nach dem Ausbruch nach oben sinnvollerweise eng unter diesen Bereich angehoben hatten. Dadurch entstand noch mehr Verkaufsdruck, der ausreichte, um die Vorzugsaktie gleich zum ersten Kurs an und dann in Windeseile auch unter diese Kreuzunterstützung aus 200-Tage-Linie und der unteren Begrenzung der zwischen Dezember und Februar gelaufenen Seitwärtsbewegung zu drücken. Was erneute Stop-Loss-Verkäufe auslöste, die den Kurs noch schneller und weiter nach unten führten. Denn wer so etwas sieht, studiert nicht in aller Ruhe die Bilanz, sondern zieht Kauforders schnell zurück bzw. überlegt sich nicht den Einstieg. Jedenfalls nicht mitten in einem immens hektischen Handel am Gesamtmarkt. So könnte es durchaus gelaufen sein.

Wer aber nach Handelsende ein wenig Muße hatte, könnte Ausblick und Kursreaktion miteinander vergleichen, eine wie vorstehend beschrieben entstandene Verkaufslawine als Ursache sehen und sich überlegen, dass, wenn der Gesamtmarkt weiter wankt oder gar kippt, eine jetzt wieder deutlich günstigere Henkel-Aktie womöglich eine interessante, defensive Alternative wäre. Zwar wäre es riskant, hier die Hand aufzuhalten, bevor der Kurs nicht wenigstens wieder eindeutig über der Zone 81,56/82,12 Euro schließt. Aber das wäre denkbar genug, um die Aktie im Auge zu behalten.

Quellen:
Ergebnis 2024, Ausblick 2025, 11.03.2025: https://www.henkel.de/presse-und-medien/presseinformationen-und-pressemappen/2025-03-11-sehr-gute-geschaeftsergebnisse-2024-belegen-erfolgreiche-umsetzung-der-ganzheitlichen-wachstumsagenda-2044252

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.
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Vorherige Analysen der Henkel Aktie

Wenn nach „good news“ ein Kurssprung entsteht, der dann aber auf Abgaben trifft, ist das immer ein erheblicher Dämpfer für diejenigen, die bei der betreffenden Aktie auf einen Ausbruch über wichtige Hürden setzen. So geschehen gestern bei der Henkel Vorzugsaktie.

Ein Plus von 1,33 Prozent ist angesichts eines am selben Tag um 0,44 Prozent nachgebenden DAX natürlich nicht gerade schlecht. Aber zum einen landete die Henkel-Aktie damit nicht einmal unter den Top 5 der DAX-Tagesgewinner. Zum anderen lag das Plus zeitweise bei 3,98 Prozent und schrumpfte somit zum Handelsschluss deutlich zusammen.

Hinzu kam, dass das Tageshoch mit 84,70 Euro nahe an den Hochs der Monate Mai und Juni lag (84,90 und 85,74 Euro) und der Weg aus charttechnischer Sicht nach oben erst einmal frei gewesen wäre, hätte die Aktie diese Widerstände überwunden oder zumindest in deren Nähe geschlossen.

So aber ist die Chance, neue Nachrichten mit neuen, charttechnischen Fakten zu beantworten und damit klare Zeichen zu setzen, vertan. Denn wenn ein Kurssprung auf Basis neuer Unternehmenszahlen auf Verkäufe stößt, ist es zumindest fraglich, ob es die Bullen einfach am Folgetag unbeirrt noch einmal versuchen. Aber was waren das für Zahlen und warum war man nicht ausreichend begeistert, um die Aktie nach oben hinauszutragen?

Expertenmeinung: Um 14 Uhr am Mittwoch lieferte Henkel im Rahmen einer adhoc-Meldung vorläufige Ergebnisse für das erste Halbjahr. Der Umsatz sei organisch um 2,9 Prozent gestiegen, hieß es da, wobei angehobene Preise mit +2,5 Prozent den entscheidenden Anteil daran hatten, das reine Warenvolumen stieg nur um 0,4 Prozent. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte indes weit stärker zu, um 28,4 Prozent, was durch einen Anstieg der EBIT-Gewinnmarge von 11,5 auf 14,9 Prozent ermöglicht wurde. Dazu hob man die Gesamtjahresprognose an.

So etwas sorgt fast immer für positive Reaktionen. In diesem Fall sieht man aber schnell, warum die diesmal nicht allzu stark ausfiel. Denn der Ausblick für die Umsatzentwicklung wurde nicht ausgehoben, nur der für die operative Gewinnmarge auf EBIT-Basis (von 13,0 bis 14,0 auf 13,5 bis 14,5 Prozent) und für den Gewinn pro Aktie, der jetzt nicht mehr zwischen 15 und 25, sondern zwischen 20 und 30 Prozent zulegen soll. Was zwar grundsätzlich besser als nichts ist, aber das zeigt schon, dass der Anstieg bei EBIT und Marge ohnehin schon erwartet wurde und jetzt nur ein bisschen größer ausfällt. Und ein bisschen ist eben nichts, was neue Verhältnisse schaffen würde.

Zudem ist das mehr eine Rückkehr auf frühere, bessere Niveaus (eine EBIT-Marge um 15 Prozent war in den Jahren vor Corona für Henkel normal) als ein Aufbruch in neue, höhere Sphären. Denn in den fünf Jahren vor Beginn der Corona-Phase lagen Gewinn und Marge zwar im Schnitt etwa da, wo Henkel 2024 hinwill. Aber:

Henkel Vz.: Chart vom 17.07.2024, Kurs 82,54 Euro, Kürzel: HEN3 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Henkel Vz.: Chart vom 17.07.2024, Kurs 82,54 Euro, Kürzel: HEN3 | Quelle: TWS

Die Aktie notierte in diesen früheren Jahren auf höherem Niveau, in einer Spanne zwischen grob 80 und 130 Euro. Während man auf Basis der aktuellen 2024er-Gewinnschätzungen auf ein Kurs/Gewinn-Verhältnis um 16 kommt, waren in den Jahren vor 2020 lange Zeit Kurs/Gewinn-Verhältnisse um 20 für Henkel üblich. Grundsätzlich könnte die Aktie also schon nach oben ausbrechen, ohne gleich zu teuer zu sein. Aber solange solche Gelegenheiten nicht genutzt werden, ist die Skepsis am Markt groß genug, um selbst im Fall, dass es in einem zweiten Anlauf doch noch klappt, vorsichtig und mit konsequenten Stoppkursen an die Sache heranzugehen.

Quellenangaben: Vorläufige Ergebnisse zum 1. Halbjahr, 17.07.2024:
https://www.henkel.de/presse-und-medien/presseinformationen-und-pressemappen/2024-07-17-nach-sehr-guter-geschaeftsentwicklung-im-ersten-halbjahr-hebt-henkel-die-ergebnisprognose-fuer-2024-an-1973506

Hat Henkel endlich die Trendwende geschafft? Es sieht ganz danach aus. Das sind jetzt die Kursziele.  

Der effiziente Markt und die Realität

Es gibt zahllose Beispiele, mit denen man die Markteffizienzhypothese (Efficient-market hypothesis / EMH) widerlegen kann.
Die Kursentwicklung vieler einzelner Aktien dürfte bereits Beweis genug sein, doch an den Universitäten dieser Welt wird weiterhin EMH gelehrt.

Ein Beispiel für die ineffiziente Preisfindung von Aktien kennen die meisten deutschen Anleger:
Die Henkel Vorzugsaktie ist Teil des Dax und notiert aktuell bei 83,56 Euro.

Die Stammaktie notiert derzeit bei 74,10 Euro und ist damit nicht nur günstiger, sondern kommt auch auf eine höhere Dividendenrendite und hat obendrein ein Stimmrecht.
Wäre der Markt auch nur annähernd effizient, wäre das nicht möglich.

Für versierte Anleger sind derartige Fehlbewertungen eine erfreuliche Geschichte, mit denen man die Rendite befeuern kann.

Ich hatte bereits vor einigen Monaten auf die Situation bei Henkel hingewiesen, seitdem ist die Stammaktie von 60,42 auf 74,10 Euro gestiegen, doch das könnte erst der Anfang sein.
Es sieht immer mehr danach aus, dass Henkel das Tal durchschritten hat – sowohl geschäftlich als auch charttechnisch.

Markenmacht – oder etwas nicht mehr?

Henkel ist einer der weltweit führenden Hersteller von Konsumgütern.

Das Geschäft ist in die zwei Bereiche Adhesive Technologies und Consumer Brands gegliedert.

Zum Bereich Consumer Brands gehören u.a. Wasch und Spülmittelmarken wie Persil, Pril, Weißer Riese, Perwoll, Spee, Somat, Sidolin und Ata.
Darüber hinaus Produkte für Haare, Körper, Haut und Mundhygiene. Dazu gehören z.B. die Marken Schwarzkopf, Fa, Schauma, Taft und Gliss Kur.

Im Segement Adhesive Technologies sind u.a. die Klebstoffmarken Pritt, Pattex, Ponal und Ceresit aus dem Hause Henkel.

Weitere durch Henkel hergestellte industrielle Klebstoffprodukte, Dichtstoffe und Funktionsbeschichtungen werden in zahlreichen Branchen z.B. in der Fahrzeugbranche, Luft & Raumfahrt, Elektronik und Medizintechnik verwendet.

Henkel bringt also eine gehörige Portion Markenmacht mit. In der Vergangenheit war das ein echtes Erfolgsrezept.
Kunden hielten ihren Lieblingsprodukten mitunter für Jahrzehnte die Treue.

Heutzutage ist das anders. Alle Studien deuten darauf hin, dass jüngere Menschen „experimentierfreudiger“ sind und öfter die Produkte wie Waschmittel wechseln.

Darüber hinaus hat der Druck durch Discounter-Eigenmarken zugenommen. All diese Faktoren haben dazu geführt, dass die Wachstumsraten von Henkel in den letzten Jahren tendenziell rückläufig waren.
Darüber hinaus erodieren diese Themen auch die Preissetzungsmacht von Henkel.

In Summe hat das dazu geführt, dass Umsatz und Gewinn über Jahre hinweg stagnierten.

Endlich wieder in der Erfolgsspur

Es mehren sich jedoch die Zeichen, dass Henkel endlich wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt ist.
Henkel hat eine Vereinfachung der Konzernstruktur durchgeführt und eine strategische Neuausrichtung vollzogen, diese Maßnahmen scheinen zunehmend ihre Wirkung zu entfalten.

Man kommt dabei sogar schneller voran als man geplant hatte („Umsetzung der strategischen Wachstumsagenda weiter beschleunigt. Consumer Brands: Zusammenschluss kommt schneller voran als geplant“)

Im letzten Geschäftsjahr verzeichnete Henkel ein organisches Wachstum von 4,2% und einen Anstieg des Gewinns um 10,2% auf 2,6 Mrd. Euro.
Das Ergebnis kletterte sogar um 12% auf 4,35 Euro je Aktie.

Im ersten Quartal hat sich der positive Trend fortgesetzt. Der Umsatz konnte organisch um 3,0% auf 5,3 Mrd. Euro gesteigert werden, obwohl das Wachstum durch negative Währungseffekte erheblich belastet war (-3,9%).
Dieser Gegenwind konnte durch Preiserhöhungen und ein höheres Volumen überkompensiert werden.

20% Gewinnsprung statt Krise

Darüber hinaus hat man kürzlich die Prognose erhöht und stellt statt einem organischen Wachstum von 2,0 – 4,0% fortan 2,5 – 4,5% in Aussicht.
Die EBIT-Marge soll auf 13 – 14% statt 12,0 – 13,5% steigen.

Die Gewinnerwartungen wurden von +5 bis 20% auf +15 bis 25% erhöht. Selbst am unteren Ende der Spanne wäre das der höchste Gewinnsprung seit mehr als einem Jahrzehnt.
Aus geschäftlicher Sicht ist das ein echter Befreiungsschlag.

Aus charttechnischer Sicht ist es ebenfalls zu einem Befreiungsschlag gekommen. Mit dem Anstieg über 70 Euro wurde ein Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 77 und 85 Euro ausgelöst.

Henkel ST Aktie: Chart vom 16.05.2024, Kurs: 74,10 - Kürzel: HEN | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Henkel ST Aktie: Chart vom 16.05.2024, Kurs: 74,10 – Kürzel: HEN | Quelle: TWS

Obwohl die Aktie bereits durchgestartet ist, kommt Henkel trotzdem nur auf ein KGVe von 14,2. In den letzten fünf Jahren lag das KGV durchschnittlich bei 15,2 – obwohl man diese Phase nur als Depression bezeichnen kann.

Dass Henkel mal Tagessieger im DAX wird, passiert nicht alle Tage. Am Freitag war es so: Die Aktie legte satte 7,22 Prozent zu. Auslöser war die Anhebung der Gesamtjahresprognose. Aber eigentlich fiel die mager aus … sollte man da nicht besser den Gewinn mitnehmen?

Kurz vor den übermorgen ohnehin regulär anstehenden Quartalsergebnissen hob Henkel am Freitagmorgen die Prognose für das Gesamtjahr an. Aufgrund der besser als erwartet gelaufenen ersten Monate des Jahres sieht man das organische Umsatzwachstum jetzt bei 2,5 bis 4,5 Prozent (vorher 2,0 bis 4,0 Prozent) und die EBITDA-Gewinnmarge bei 13,0 bis 14,0 Prozent (vorher 12,0 bis 13,5 Prozent). Der um Sonderfaktoren bereinigte Gewinn pro Aktie wird jetzt 15 bis 25 Prozent höher als 2023 gesehen, bislang waren es 5 bis 20 Prozent.

Das liest sich zwar gut. Aber insgesamt wirkt die Prognose-Erhöhung aufgrund ihrer überschaubaren Dimension nicht gerade wie ein „Game Changer“, der Henkel über die (ohnehin für die eher ruhig laufende Aktie starke) Reaktion des Freitags hinaus in neue Kursdimensionen katapultieren könnte. Außerdem ist der Kurs dadurch in eine Widerstandszone gelaufen, wie man in unserem längerfristig gehaltenen Chart auf Wochenbasis sieht. Müsste man sich da nicht sagen, dass man Geschenke, die einem in den Schoß fallen, besser annehmen sollte … und den Gewinn kassieren?

Henkel Vorzugsaktie: Wochenchart vom 03.05.2024, Kurs 79,34 Euro, Kürzel: HEN3 | Online Broker LYNX
Henkel Vorzugsaktie: Chart vom 03.05.2024, Kurs 79,34 Euro, Kürzel: HEN3 | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Die Antwort ist nicht so einfach, wie man es beim reinen Betrachten des Verhältnisses Prognoseanhebung zu Kursanstieg meinen könnte.

Richtig ist: „Billig“ ist die Aktie nicht mehr, auch, wenn es in diesem längerfristigen Chartbild so wirkt. Zwar wurden 2017 am Rekordhoch knapp 130 Euro für eine Vorzugsaktie bezahlt. Aber 2017 erreichte Henkel auch einen Gewinn von 5,79 Euro pro Aktie, während man jetzt auch nach der Prognose-Anhebung in einer Region um 4,50 Euro liegen könnte. Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis um 18 für den geschätzten 2024er-Gewinn liegt die Aktie aber auch noch nicht im überteuerten Bereich. Damit wäre sie zwar jetzt kein unbedingter Kauf mehr, wäre aber auch noch nicht so teuer, dass keine Luft nach oben mehr denkbar wäre.

Richtig ist auch, dass die Aktie in eine zwischen 78,84 und 83,40 Euro liegende Widerstandszone gelaufen ist. Aber auf der anderen Seite hat der Aufwärtsimpuls des Freitags die bereits 2017 etablierte Abwärtstrendlinie überboten: Ein starkes Signal. Und gelänge es, diese Zone 78,84 zu 83,40 Euro zu überbieten, wäre aus rein charttechnischer Sicht Spielraum bis an die nächste, markantere Widerstandszone zwischen 96,62 und 99,50 Euro.

Dann, wenn die Aktie dorthin laufen würde, wäre sie „teuer“ und die Entscheidung zum Verkauf leichter. So aber sitzt man zwischen den Stühlen. Jetzt erst einzusteigen wäre gewagt, Short zu gehen nicht minder. Aber die Frage von Gewinnmitnahmen ist so knifflig zu beantworten, dass man sich einen Kompromiss überlegen könnte: Einen Teil verkaufen und für den Rest den Stoppkurs deutlich anheben, den man jetzt auf einen Level knapp unter das Tagestief des Freitags (73,30 Euro) nachziehen könnte.

Quellen:
2024er-Prognoseanhebung, 03.05.2024: https://www.henkel.de/presse-und-medien/presseinformationen-und-pressemappen/2024-05-03-henkel-hebt-umsatz-und-ergebnisprognose-fuer-2024-an-1958530