Die beim Euro Stoxx 50 entstandene „Trompeten-Formation“ hat sich mittlerweile in eine „Diamant-Formation“ gewandelt. Was bedeutet das für die kurzfristige Perspektive? Könnte dieses Chartbild womöglich sogar schwerer wiegen als die Nachrichtenlage?
Bei einer Diamant-Formation bildet der Kursverlauf eine nicht zwingend genau gleichmäßige Raute. D.h. zunächst kommt es zu höheren Zwischenhochs und tieferen Zwischentiefs, dann aber verringert sich die Volatilität wieder etwas, die nächsten Zwischenhochs liegen unter dem letzten Höchstpunkt, die Zwischentiefs sukzessiv über den vorherigen Tiefs. An ein nach rechts offenes Dreieck wird dadurch quasi eine normale, spitz zulaufende Dreiecksformation „angebaut“. Wie ist das zu interpretieren?
Da gäbe es zwei Möglichkeiten. Entweder basiert die Verringerung der Schwankungsbreite auf einer Beruhigung der Lage, d.h. die Trader sehen weniger Veranlassung zu starken Kauf- und Verkaufswellen. Oder aber die Hochs und Tiefs rücken deswegen enger zusammen, weil der Kesseldruck im Markt steigt, die Akteure aber nicht wissen, in welche Richtung der Ausbruch erfolgen könnte, deswegen immer weniger riskieren und erst einmal abwarten. Wenn man sich die Gemengelage ansieht, muss man derzeit zur zweiten Variante tendieren. Und das hieße:
Ein fulminanter Trendimpuls wird durch die Ausbildung dieses „Diamanten“ nicht weniger wahrscheinlich, sondern im Gegenteil wahrscheinlicher. Zumal sich diese Diamant-Formation auch noch im Bereich einer aus charttechnischer Sicht mittelfristig relevanten Zone ausgebildet hat:
Expertenmeinung: Sie sehen im langfristigen Chart auf Monatsbasis, dass der Euro Stoxx 50 das alte Rekordhoch aus dem Jahr 2000 bei 5.495 Punkten immer noch nicht signifikant überwinden konnte und aktuell den zweiten Monat nahe dran, aber eben doch darunter schließen könnte. Problematisch für das bullische Lager, zumal der RSI-Indikator auf Monatsbasis weiterhin im überkauften Terrain rangiert, was zuletzt vor zehn Jahren der Fall war. Auf der anderen Seite hielt die obere Begrenzungszone des August-Aufwärtstrendkanals bereits einem zweiten Test binnen kurzer Zeit stand, wie der Tageschart zeigt … nach oben zu lösen vermag sich der Index aber bisher dennoch nicht. Man sitzt also zwischen zwei Stühlen … werden die Trader die Sache entscheiden?

Ich tendiere dahingehend zu „Nein“. Denn der Grund für die Diamant-Formation liegt nun einmal in der Nachrichtenlage. Sie hat den Euro Stoxx 50 in diese Konstellation geführt, sie dürfte den Diamanten auch auflösen.
Es geht auf der einen Seite um die Hoffnung, dass umgehend und deutlich steigende Verteidigungsausgaben in der EU das Wachstum wiederbeleben. Und es geht auf der anderen Seite um das Damoklesschwert der für den 2. April angekündigten „reziproken“ Zölle seitens der USA. Dass Donald Trump am Montagabend vage Andeutungen machte, er könnte einige Länder oder Produkte vielleicht von den Zöllen ausnehmen, konnte bislang wenig bewegen, was letztlich nicht überrascht. Zum einen, weil solche Ausnahmen nur dort erfolgen dürften, wo die Zölle US-Unternehmen unmittelbar schaden würden. Zum anderen, weil die Statements zu Europa seitens des Präsidenten eher nicht darauf hindeuten, dass man speziell Europa mit hilfreichen Ausnahmen überraschen würde.
Würde es in Sachen Zölle tatsächlich zu einer positiven Überraschung kommen, würde der Wachstumsfaktor in Sachen Verteidigung als Ankerpunkt stehen bleiben, das wäre die Basis dafür, dass der Euro Stoxx 50 nach oben ausbricht.
Gibt es aber keine Ausnahmen und nicht einmal eine Perspektive machbarer Bedingungen, um diese Strafzölle wieder loszuwerden, kann das genau der Auslöser für einen dynamischen Sturz zurück in den August-Aufwärtstrendkanal sein. Dass die Ausschläge zuletzt kleiner wurden, deutet an, dass die Trader auf diese Entscheidung warten, was vermuten lässt: Showdown für die Diamant-Formation ist am 2. April, also heute in einer Woche!

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